Springende Metaphern und Sport. Der ruandische Hochsprung im Kontext von Kolonialismus, Genozid und post-genozidaler ‘Versöhnung

Autor/innen

  • Anne Peiter Université de la Réunion

Abstract

Die Wahrnehmung der ruandischen Landschaft durch deutsche wie belgische Kolo­nialist:innen ging mit parallelisierenden Metaphorisierungen des ‘Hohen‘ und ‘Niedrigen‘ zu den drei Bevölkerungsgruppen Hutu, Tutsi und Twa einher, die wiederum deren künstliche Ethnifizierung beförderten. Komplexe des Gusimbuka-Urukiramende, einer Art von Hoch­sprung, avancierten zu fotografischen Ikonen und zeigten zugleich die Ambivalenz der europäischen Bewunderung für die Körperbeherrschung der Tutsi. Systematisch wurde nämlich behauptet, die Absprunghilfe der ruandischen Springer bestehe aus Termitenhügeln. Das Bedürfnis, die kulturellen Praktiken des fremden Landes zu ‘europäisieren‘ bzw. es zu ‘versportlichen‘, hatte also die Tendenz zur ‘Naturalisierung‘ zum Konterpart. Der Versuch des ruandischen Sportministeriums, den Hochsprung in Reaktion auf den Genozid des Jahres 1994 wiederzubeleben, ist gleichfalls janusköpfig. Auf der einen Seite werden die einstigen Zuschreibungen aus Europa durch die Orientierung an olympischen Werten übernommen. Auf der anderen Seite geht es um die Aufwertung von Praktiken, die durch die Massengewalt außer Gebrauch gekommen war.

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Veröffentlicht

2026-10-05