Geographische Hochschullehre als epistemische Praxis
Warum Forschung von Lehre profitiert!
Abstract
Ausgehend von der Debatte zum research teaching nexus argumentieren wir, dass Lehre nicht linear der Forschung nachfolgt, sondern selbst epistemisch produktiv wirkt. Wer lehrt, strukturiert fachliche Inhalte, expliziert implizite Annahmen, überprüft Paradigmen und wird durch Rückfragen irritiert. Lehre fungiert damit als Resonanzraum, in dem Forschung präzisiert und weiterentwickelt wird. Vor diesem Hintergrund analysieren wir hochschulpolitische Reformen und Förderprogramme der letzten Jahre und zeigen, dass Lehre institutionell an Bedeutung gewonnen hat. Dieser Bedeutungsgewinn ist ambivalent: Er stärkt Sichtbarkeit und Professionalisierung, unterwirft Lehrpraxis jedoch zugleich neuen Steuerungs- und Evaluationslogiken. Mit besonderem Blick auf die Geographie diskutieren wir schließlich curriculare Konsequenzen. Aufgrund ihrer inter- und transdisziplinären Ausrichtung bietet die Geographie spezifische Potenziale, forschende Haltungen systematisch zu fördern. Forschungsorientierte Lehrformate können das Spannungsfeld zwischen Nichtwissen in der Forschung und etabliertem Wissen in der Lehre produktiv machen, sofern sie curricular verankert und didaktisch reflektiert gestaltet werden. Wir plädieren dafür, Lehre als integralen Bestandteil wissenschaftlicher Praxis zu begreifen und das Verhältnis von Lehre und Forschung institutionell, curricular und disziplinär neu zu denken und auszurichten.
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